Kolloquium

Die wissenschaftliche Einordnung und Kontextualisierung der künstlerischen Arbeiten findet auf zwei Wegen statt. Zum einen wird im Rahmen der Ausstellung ein wissenschaftliches Kolloquium organisiert, zum zweiten soll eine Publikation, in der die Kolloquiumsbeiträge veröffentlich werden, gleichermaßen als Ausstellungskatalog und wissenschaftlicher Sammelband fungieren. Die kontextualisierenden wissenschaftlichen Beiträge haben dabei zwei verschiedene Formate. Zum einen handelt es sich um Forschungen von Nachwuchswissenschaftlern, die gezielt im Rahmen des aktuellen Projektes angefertigt werden und die während des Erarbeitungszeitraums gemeinsam im Projektverbund von Künstlern, Wissenschaftlern und Kuratoren vorgestellt und diskutiert werden. Zum anderen wird bei Experten nach Beiträgen angefragt, die im Sinne von überblicksartigen Darstellungen als Publikationsbeiträge und Kolloquiumsreferate präsentiert werden sollen

Die Frage nach dem Umgang mit Relikten resp. Fragmenten aus überkommenen Systemen soll dabei aus verschiedenen Perspektiven angegangen werden: So soll zum einen gattungsübergreifend nach dem Verbleib von repräsentativer Architektur, von Denkmälern, von Gemälden und anderen künstlerischen Hinterlassenschaften gefragt werden, zum anderen die spezifische Situation Deutschlands nach 1989/90 in einen synchronen Vergleich zu anderen osteuropäischen Ländern gestellt werden. Die Schwerpunkte der wissenschaftlichen Betrachtung liegen dabei zum ersten im gegenwärtigen politischen und ideologischen Umgang mit Repräsentationsarchitektur, zum zweiten wird ein dezidiert kunstwissenschaftlich-denkmalpflegerischer Kontext eröffnet, der besonders auf die Konfliktlage zwischen öffentlichen Auftraggebern und künstlerisch-konservatorischen Ansprüchen abzielt. Zum dritten muß das baukünstlerisch-architektonische Erbe eingeordnet werden in den übergeordneten Diskurs um den grundlegenden Umgang mit künstlerischen Leistungen in ehemaligen diktatorischen Systemen.

Dieser multiperspektivische Ansatz verspricht ein breites Bild über verschiedene Aspekte von Erinnerungskulturen zu geben, die sich in diesem Falle an konkreten Objekten manifestieren und damit sichtbar machen lassen. Ziel soll sein, die Spannbreite und Strategien im Umgang mit Überresten vergangener Systeme zu verdeutlichen und nach ihren Intentionen und Auswirkungen zu fragen.

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